gitarrenbau

Messungen

Hier geht es darum grundlegende Zusammenhänge beim Gitarrenbau mittels Spektralanalyse

zu ergründen. ( Was haben die einzelnen Teile zueinander im Verhältnis zum Ton

für eine Bedeutung. Es geht hier nicht um "absolute" physikalische Ausmessungen, sondern

um einfache Versuche, wesentliche Zusammenhänge des Gitarrenbaus aufzuzeigen.) 

Ich verwende dafür die unten abgebildete Versuchs-Gitarre.

Sie besteht aus einem 7,5 cm dicken Tannenholzklotz aus dem eine Gitarrenform ausgesägt

ist. Mittels einem Tannenholzbrett, aus dem die gleiche Gitarrenform ausgesägt wurde, können

nun Decken verschiedenster Art eingespannt werden. Das gleiche kann man mit dem  Boden

machen. 

 

Um möglichst regelmässige Bedingungen zu bekommen, habe ich auf einer Schiene einen

kleinen leisen Motor befestigt an dessen Achse ein Plektron fixiert ist, dass über 2 Saiten

schlägt. Dies wird im immer gleichen Abstand von 1.20 Meter zu einem

Grossmembran-Mikrophon mit dem Computerprogramm Spectra RTA ausgemessen.

 

                         

 

 

 

(Das Gesamtvolumen wird bei den Grafiken auf der rechten Seite in einem vertikalen Balken  mit einer den

Spektrallinien entsprechenden Farbmarkierung angezeigt . Da in den unteren Grafiken die Qualität leider

nicht mehr die beste ist, habe ich diese Markierungen farblich verstärkt. )

 

Bodenmessungen

 

Beim ersten Versuch geht es um die Bedeutung des Gitarrenbodens. Dazu sind drei

stark unterschiedliche Situationen ausgewählt. Die Decke ist bei allen Versuchen die gleiche.

Situation1: Versuchs-Gitarre ohne Boden,

Situation2: Versuch-Gitarre mit dünnem Boden,

Situation3: Versuchs-Gitarre mit dickem Novopanbrett-Boden

(Gemessen wurde die d und g Saite. Spactra RTA ist in eine Zwölfband Oktav-Skalierung

eingestellt. )

 

 

rosa Linie: Novopan

blaue Linie: ohne Boden

schwarze Linie: dünner Boden

Zuerst muss erwähnt werden, dass alle Schwingungen, die tiefer als der Grundton d (150 Hz)

sind, bis zirka 80 Hz aus Stör- und zwischen 80 und 150 Hz aus Schlaggeräuschen bestehen.

Diese Schlaggeräusche haben die grösste Dichte um 110 und 210 Hz. Das untere

Schlaggeräusch 110 Hz wird eigentlich nur von der Novopan-Version kräftig wiedergegeben,

die sowieso erstaunt, da sie im Gesamtvolumen noch vor der Version mit dünnem Boden

rangiert, und rein hörmässig am "basshaltigsten" wirkt. Vielleicht erstaunt es einige, dass

die Version ohne Boden am lautesten ist. Jeder Banjospieler aber weiss, dass ein Banjo ohne

Boden genauso laut ist , wie mit Boden. Bei der Trommel ist es sogar so, dass einfellige

Trommeln am lautesten sind. Auffallend ist dass diese Version in den Frequenzspitzen fast

immer vorne liegt. Vom Hören her wirkt sie dobroartig hell; also mit wenig Bass-Anteilen. 

Gesamthaft gesehen liegen aber alle drei Versionen nahe beieinander; in einem Abstand

von etwa 2 dB. 

 

Referenz-Messung 

 

Nun folgt eine Messung, wo drei Mal auf der Versuchs-Gitarre die gleiche Decke

aufgespannt wurde, also dreimal versucht wurde die gleiche Situation wieder zu erreichen.

Hier geht es darum zu zeigen, wie gross die Schwankungen bei dieser Messmethode

ausfallen, wenn Decken gewechselt werden.

(Es wurde hier die a und h Saite gemessen. )


 

 

Die Versuche rosa und grau sind im Gesamtvolumen gleich, obwohl in den einzelnen

Bändern Unterschiede bestehen. Der grüne Versuch ist gesamthaft gesehen etwa 0,5 dB

lauter. Erstaunlich ist, dass in den einzelnen Frequenzspitzen  Unterschiede bestehen,

die sich aber auf das Gesamte gesehen wieder ausgleichen. (Ist eine Variation an einer

Stelle lauter als die andern, so ist sie an einer andern Stelle dagegen leiser.) 

 
Dies ist so in etwa der Referenzmassstab für den Teil der weiteren Messungen, wo Decken

getauscht werden müssen. 

 

Lackmessungen 

Acryllack 

Beim nächsten Versuch gehe ich der Frage nach, wie Lacke auf den Ton wirken. Zuerst habe

ich eine unlackierte Decke auf die Versuchs-Gitarre aufgespannt und gemessen.

Danach diese gleiche Decke mit Acryllack lackiert und von neuem ausgemessen. 

(Ich habe hier mit der a und h Saite gemessen) 

 

 

 blaue Linie: ohne Lackierung

 rosa Linie: Acryllack


 Anhand der Grafik sind keine Unterschiede in der Lautstärke feststellbar. Auch im sonstigen

 Spektrum sind die Abweichungen minim. (Speziell wenn man es mit der Referenzgrafik

 vergleicht.) Offensichtlich hat ein Acryllack (der weichste der zu Gitarrenbauzwecken

 verwendete Lack) nur einen minimen Einfluss auf den Ton. 

 

Schellack

 

Beim Resultat der folgenden Grafik war ich sehr überrascht, da Schellack ein hartes etwas

sprödes Material ist, das in kleinen glasartigen Plättchen geliefert wird und nach längerer

Zeit nach dem Auftragen sich wieder in seinen alten Zustand zurückverwandelt. Ich war

überzeugt, dass Schellack trotz Beliebtheit nicht sonderlich gut abschneidet. 


 

rosa Linie: Decke mit Schellack, Trocknungszeit etwa 3 Wochen

grüne Linie: Decke ohne Schellack

 

Die Gesamtlautstärke ist auch hier so ziemlich gleich.(Speziell wenn man die

Referenzgrafik berücksichtigt.) Im Vergleich zum Acryllack sind aber die Lautstärkenspitzen

in den einzelnen Frequenzbändern unterschiedlicher, was aussagt, das eine grössere

Veränderung in der Tonqualität stattfindet. Z.B. ist der Grundton a (220 Hz) bei der Version

ohne Schellack etwa um 4 dB stärker als bei der Version mit Schellack, die aber um etwa 2 dB

stärker ist beim ersten Oberton (440 Hz) und dann ebenfalls in den Höhen. 

 

Balkenmessungen 

 

Bei diesen Versuchen geht es darum aufzuzeigen, wie stark die Balken auf den Ton einwirken.

Ich habe hier eine Pappelsperrholzdecke(3,2mm) mit Balken versehen und ausgemessen und

danach, als nächste Situation, die Seitenbälkchen eliminiert und als letzte Messstation

die Hauptbalken dezimiert.

Natürlich ist dies aus statischen Gründen nur mit einer Sperrholzdecke möglich 

(Ich habe hier mit der a und h Saite gemessen) 

 


 

rosa Linie:  Sperrholzdecke mit allen Balken

graue Linie: Sperrholdecke ohne Seitenbälkchen

grüne Linie: Sperrholzdecke ohne Seitenbälckchen und mit stark dezimierten Hauptbalken 

Versuch rosa und grau sind etwa der Gesamtlautstärke gleich. Versuch grün ist etwa 1dB

lauter, was wahrscheinlich auf das enorm erhöhte(+14dB) dumpfe  Anschlagsgeräusch (110Hz)

zurückzuführen ist, was man sehr gut hören kann. Im Grundton a (220Hz) ist die rosa Version

am stärksten(+2,5dB). Beim Grundton h (500Hz) sind alle etwa gleich. Bei den Obertönen

herrschen wieder die teilweisen doch recht beträchtlichen Schwankungen, die sich aber

gesamthaft gesehen ausgleichen. 

Summa summarum war ich erstaunt wie wenig sich diese drastischen Balkenverminderungen

auf das Gesamtvolumen auswirken.

 

Bei dem zweiten Balkenversuch habe ich auf eine Fichtenholzdecke Balken roh, also unbeschnitzt,

angebracht . Dies ergab die erste Messung. Danach habe ich die Balken wie üblich zugeschnitten,

und von neuem ausgemessen .

(a und h Saite)


 

rosa Linie: Balken zugeschnitten

graue Linie: Balken roh

Auch hier wird das Resultat vom vorherigen Versuch bestätigt! Das Gesamtvolumen ist in etwa

gleich, ja die Version mit rohen Balken ist sogar leicht lauter. 

Erstaunlich ist hier, dass bei der Rohbalkenversion der Grunton a  (220 Hz) fast 6 dB lauter ist als bei der

Version mit beschnittenen Balken. Ebenfalls lauter die darauf folgenden Grundtöne.

Beim Grundton h (500 Hz) ist es dann genau umgekehrt. Die Beschnittene Version ist dort satte 8 dB

lauter als die rohe, ebenso die darauf folgenden Grundtöne.

So scheinen die Balkenlagen ob viel oder wenig nicht die Gesamtlautstärke zu beeinflussen,

sondern das Klangspektrum und die Klangfarbe.

 

Schalllochmessungen 

 

Beim diesem Versuch habe ich die Versuchsgitarre mit einem Boden versehen und bei der ersten

Messung eine Fichtendecke ohne Schallloch, nur mit ganz kleinem Druckausgleichsloch versehen (1cm),

aufgespannt. Bei der zweiten Messung habe ich nun aus der Decke ein normales Schallloch (10cm)

ausgesägt. 


rosa Linie: ohne Schallloch

grüne Linie: mit Schallloch

Bei diesem Versuch war ich verblüfft, denn ich ging davon aus, dass beide Versionen so in etwa

gleich laut sind, sich aber im Klangspektrum unterscheiden. Nun ist aber die Version ohne Schallloch

etwa 3 dB lauter als die mit Schallloch. Auch sind die Grundtöne a und h (220 / 500 Hz) und die darauf

folgenden Obertöne beträchtlich lauter bei der schalllochlosen Version.  Das Anschlagsgeräusch und

die Höhen um 2000 Hz sind dafür stärker bei der Lochversion, was aber nicht so tonrelevant ist.

 


 

zurück zur Startseite