philosophie

Ansichten, Anschauungen, Assoziationen

 

Der Ausgangspunkt war, eine Gitarre zu bauen, die gut tönt, die gut spiel- und einstellbar ist,

und dies zu einem erschwinglichen Preis. Damit war klar, dass die Gitarre schlicht sein musste,

also ohne all den „Firlefanz", der tonmässig keine Bedeutung hat. Eine einfache

nichtsdestotrotz spezielle Gestaltung der Instrumente sollte es dennoch sein.

 

Ein wichtiger Punkt für mich ist die Suche nach Verbesserungen, falls das nötig und möglich

ist! (Bei Stahlsaitengitarren ist es zB. das Problem mit der Halseinstellung, die des öfteren zu

Schwierigkeiten mit dem Hals führt, da die Gitarristen mit dem Halsabstand nicht zufrieden

sind, und dann übermässig den Stahlstab anziehen, sodass am Sattel das Halsholz reisst!)

 

Ein weiterer Punkt, der mich interessiert, ist das Erkunden von gitarrenbautechnischen und

akustischen Tatsachen und Theorien. Also, welches Bauteil ist für welche Tonqualität

verantwortlich. Was für eine Wirkung und Bedeutung haben die einzelnen Bauteile im Bezug

auf den Ton.

 

Eine Schwierigkeit beim Messen von verschiedenen Komponenten, mittels  z.B. eines

Computerprogramms, ist die Genauigkeit. Es gibt keine wirklich objektive Messart, alle

Messsysteme haben mehr oder minder Schwächen. Meine ersten Versuche (die Gitarren

wurden in 1.20 Meter Abstand zu einem Grossmembran-Mikrophon stark angeschlagen;

die Aufzeichnung erfolgte mittels des Computerprogramms Spectra RTA) waren, wie sich

 

herausstellte, zu ungenau, und dies speziell hinsichtlich der Lautstärke. Man schlägt halt,

auch wenn man sich Mühe gibt, nicht immer gleich stark an. Bei den einzelnen Frequenzen

kann man aber  trotzdem einiges feststellen, ob also bei einem Instrument der Bassanteil

oder der Hochtonanteil (usw.) stärker ist als bei einem andern.

 

 

Um nicht immer für einen Versuch eine neue Gitarre bauen zu müssen, habe ich

Eine "Versuchsgitarre" konstruiert.


Sie besteht aus einem soliden Tannenholzklotz aus dem eine Gitarrenform ausgesägt wurde.

An diesem Klotz ist ein Hals befestigt. Mittels eines gleichgrossen Tannenholzbrettes können

nun verschiedene Decken aufgespannt werden. Das gleiche gilt für den Boden.

 

 

Bei dieser Versuchsgitarre habe ich versucht die  Messgenauigkeit zu erhöhen, indem ich eine

Schiene auf den Kasten montiert habe. In dieser Schiene läuft nun ein Halter mit einem

fixierten Plektrum, das die Saiten im gleichen Abstand anzupft. Diese Methode ist schon

viel objektiver. (Nur lässt sie sich nicht auf Normalgitarren übertragen) Die Anschlagrichtung

ist hier also genau, nicht aber die Anschlagstärke, denn diese variiert nach wie vor leicht.

 

 

Um die Genauigkeit noch weiter zu erhöhen, habe ich einen kleinen, leisen Elektromotor

besorgt, ihn auf einer Schiene über den beiden mittleren Saiten postiert und an seiner

Achse ein Plektron befestigt, das nun die Saiten in kreisender Bewegung anschlägt.

Diese Methode erscheint mir am genauesten. Leider können nur zwei Töne auf einmal

angespielt werden. 

 


 

 

Bei den Messungen fällt der Unterschied  zwischen physikalischer Messung und

psychoakustischem Empfinden auf. Ein Bassklang, den man sehr deutlich hört, kann in der

Messung eher unscheinbar wirken. Umgekehrt können Frequenzen, die beim Messen

kräftig erhöht sind, kaum gehört werden.  

Wenn man also zuhört und danach die Messungen betrachtet, sieht man welche Frequenzen

von Bedeutung und welche unbedeutend sind.

 

Mein theoretischer Ausgangspunkt fusst auf dem Fachbuch "die Streichinstrumente" von dem

Physiker Wernfried Güth und dem Mediziner Florian Danckwerth. Die darin enthaltenen

Theorien haben mir sehr eingeleuchtet. Sie lassen sich auch ohne Probleme auf die Gitarre

übertragen. 

Die wesentlichen Punkte davon sind:

1. Die Decke hat den Hauptanteil bei der Schallverstärkung.

2. Die Zargen dienen, wie bei einer Trommel, zur Stabilisierung, damit die Decke möglichst

optimal schwingen kann.

3. Der Boden dient hauptsächlich zur Erzeugung von Raumresonanz und hat sonst ausser

in den höheren Mitten kaum einen Anteil an der Schallverstärkung.

Aus diesem Grundprinzip und einer Serie von Tests heraus, habe ich dann die Doppelzargen

Gitarre gebaut. Auf die Normalzarge wird innen auf die Bändel eine zweite Zarge aufgeleimt.

Die Stabilität und Steifigkeit wird dadurch enorm vergrössert. Die Schwingdauer und

Schwingausgeglichenheit der Decke verlängert und vergrössert.

Der Ton einer solchen Gitarre erscheint nicht lauter, aber klar und brillant, und er hat ein

sehr gutes Durchsetzungsvermögen. Auch ist die Konstanz bei dieser Bauweise sehr gut.

Das heisst bei all diesen Gitarren sind die oben erwähnten Charaktereigenschaften

gut erkennbar; die Schwankungen geringer als bei Baureihen von normalen Gitarren. 

 

Natürlich ist das beim Ton, wie beim Wein. Nicht jeder mag denselben, und doch gibt es

guten und schlechten. Das heisst den perfekten Ton gibt es nicht, sondern eine Palette

von guten oder schlechteren Tönen, je nach Geschmack und Situation. 

 

 

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